Runter vom Flamingo! Wie Influencer-Kooperationen aus der Beliebigkeit herauskommen.

Ananas, Avocado, Flamingo, Zahnbürste am Strand und Palmen – diese Accessoires durfte man im letzten Jahr auf vielen Influencer-Accounts betrachten. Sie galten als Erfolgsgaranten für Klicks und Likes. Doch irgendwann sieht man sich an jedem Trend satt, erst recht wenn man es damit übertreibt. Spätestens, wenn dann die Waschmittelflasche im blumenbesetzen Fahrradkorb durch die Gegend kutschiert wird, ist es dringend an der Zeit, mal einen kurzen Moment inne zu halten und nachzudenken.

Inne gehalten haben im Dezember die Teilnehmer des Influencer Marketing Forums in München, auf dem Judith Pierau als Speaker in der Diskussion „Wann ist das Influencer Marketing ausgereizt – bzw. wie wird die Überreizung vermieden?“ ihren Standpunkt vertreten konnte: Runter vom Flamingo! Ein kleiner Aufruf, doch mal wieder ins kalte Wasser zu springen.

Aber wie können Marken und Influencer aus der Beliebigkeit herauskommen?

Storytelling

Ja, großes Buzzword, aber wir müssen weg von der Idee, einen Influencer ein Produkt vor einer hübschen Kulisse inszenieren zu lassen. Stattdessen gilt es, gemeinsam mit dem Influencer zu überlegen, wie man ein Produkt in die persönliche Geschichte einbringen kann und warum man eigentlich die richtige Person ist, das Produkt weiterzuempfehlen. Eine tolle Vorgehensweise übrigens, um zu testen, ob der Influencer wirklich hinter Marke und Produkt steht: Die Brandlover sprudeln meistens vor Integrationsideen und kommen mit proaktiven Vorschlägen in der Konzeptionsphase auf uns zu.

Langzeitkooperationen

Gerade im Bereich FMCG nicht immer möglich: Produkte wechseln häufig, Markenstrategien ändern sich gefühlt täglich und die großen Konzerne überraschen fast monatlich mit Produktinnovation. Hier muss es also schnell gehen mit den Kooperationen. Meinen Kunden empfehle ich aber trotzdem: Seid Euren Influencern treu, mit denen Ihr kooperiert.

Mein Lieblingscase aus dem Jahr 2017 ist übrigens der „Influencer Squad“ unseres Kunden FitBit, den meine Teamkollegen Marco Malavasi (Senior Strategist) und Anne Beutel (Social Strategist) entwickelt haben: Sieben verschiedene Influencer-Typen aus dem Bereich Sport, Fitness und Lifestyle. Sie haben eine sehr persönliche Geschichte zu ihrem Verhältnis zum Thema Sport und nerven ihre Community nicht mit Diät-Tipps & Co., sondern nehmen sie in ihrem Alltag mit – und das ein ganzes Jahr lang. Der Squad war immer mit dabei: auf der FIBO, der IFA, diversen Influencer-Events und auf unseren Social-Media-Kanälen. Durch die langfristige Zusammenarbeit konnten die Features der Produkte in die alltäglichen Geschichten der Influencer eingebunden werden. Und am Ende des Jahres? Da hatten wir weit mehr großartigen Content, als wir überhaupt vereinbart hatten. Es kommt also doch auf die Länge (der Kooperation 🙂 ) an.

Reichweite

Tja, da bin ich leider wieder am gleichen Punkt wie vor einem Jahr – da habe ich nämlich meine Influencer-Relations-Glaskugel für 2017 gezückt und das Thema „Reichweite tritt in den Hintergrund“ war gleich meine erste These. Hat sich nicht ganz erfüllt, aber – wie auch auf dem Influencer Marketing Forum in München diskutiert – ist die Einsicht bei Agenturen und Unternehmen gewachsen, dass die Zahl der Follower kein Garant für den Erfolg einer Kampagne ist.

Also, liebe Influencer und Markenverantwortliche, runter vom Flamingo! Weg mit den billigen Kulissen, mehr Raum für persönliche Geschichten, und nicht nur auf die Follower lunsen. Einfach, oder?


Judith Christina Pierau ist Vice President bei FleishmanHillard und arbeitet im Bereich Creative, Strategy & Innovation in Frankfurt als Lead für Influencer Relations & Social Media.