Litigation PR auf einem neuen Level – der Rechtsstreit um Amanda Knox geht in die nächste Runde

Seit fast sechs Jahren beschäftigt der Strafprozess gegen die Amerikanerin Amanda Knox die italienische Justiz. Jetzt wird der Fall erneut vor einem Gericht in Florenz aufgerollt. Eine Litigation PR Schlacht ohne Gleichen geht damit in die nächste Runde und setzt damit auch für professionelle Corporate Communications Entscheider Benchmarks.

„Engel mit Eisaugen“ wurde sie genannt – ein medienwirksames Bild, das praktisch in jedem Artikel über den Knox-Prozess zitiert wird. Es bringt die seltsame Ambivalenz dieses Falles auf den Punkt. Über Schuld oder Unschuld der amerikanischen Studentin diskutiert nun seit vergangenem Montag erneut ein Gericht in Florenz, das den Freispruch aus dem Jahr 2011 kassiert hat (Chronologie zum Fall).

Ob die Schuldfrage allerdings je wirklich aufgeklärt werden kann, ist fraglich. Längst wird das Verbrechen an der britischen Studentin Meredith Kercher nicht mehr im Gerichtssaal verhandelt, sondern in der größtmöglichen Öffentlichkeit. Der Fall ist zu einem Musterbeispiel für Litigation PR, also professioneller Öffentlichkeitsarbeit in einem Rechtsstreit, geworden. PR Profis erkennen hier unschwer die typischen Parameter die aus einem Prozess unter tausenden einen Fall für Litigation PR machen: Ein bestialisches Verbrechen mit sexueller Konnotation in der idyllischen Toskana, eine bildhaftschöne Angeklagte und einen geständigen farbigen Täter. Kurz nach ihrer Verhaftung haben Knox’ Eltern einen professionellen PR-Feldzug gestartet – mit Erfolg. Nach der Festnahme im Jahr 2007 ist es gelungen, die Medien weltweit zu mobilisieren. Mit der Macht der Bilder im Rücken wurden geschickt Zweifel am italienischen Schuldspruch gesät und Amanda Knox zu einer Crime-Celebrity gemacht – seit 2011 ist die Studentin wieder auf freiem Fuss.

Der Hype gefällt nicht jedem und viele kritisieren inzwischen die einseitigen Verengungen der Mediendiskussion auf Knox. Auch Familie und Freunde des Opfers machen medial mobil. Sie setzten unter anderem eine Litigation-PR-Seite auf, die an Detailtiefe nichts zu wünschen übrig lässt. Wiki’s zu allen Details des Prozesses, auch zur laufenden Wiederaufnahme in Florenz, schaffen größtmögliche Transparenz. Aus der Empörung wird allerdings kein Hehl gemacht. Über soziale Medien wird die Knox-kritische Sichtweise kanalisiert. So kann man via @PMFdotNet aktuell jedes Detail der Verhandlung in Florenz live mitverfolgen. Ein weltweites Netzwerk von Twitterern treibt die Botschaft der Opferseite in die Breite: So einfach darf Knox nicht davon kommen!

Wie auch immer der Rechtsstreit ausgeht: In Sachen Litigation PR werden in jeglicher Hinsicht Massstäbe gesetzt. Die in Deutschland noch wenig bekannte PR-Disziplin kann von solchen Entwicklungen nur profitieren. Zwar sieht die tägliche Realität in den meist zivilrechtlichen Wirtschaftsprozessen deutscher Unternehmen anders aus. Selten haben die oft millionenschweren Rechtsstreitigkeiten vergleichbaren Glamour und mediale Wucht. Der Reputationsschaden kann aber genauso groß sein – und gigantische Werte vernichten. Das Interesse am Thema Litigation PR steigt daher kontinuierlich. FleishmanHillard veranstaltet aus dem Grund am 22.10. in München eine Info-Veranstaltung, bei der die Potenziale für Unternehmen ausgelotet werden sollen. Der Fall Knox wird dabei auch ein Rolle spielen – als Fallbeispiel wie man on- und offline professionelle Litigation PR auf internationalen Niveau betreiben kann. Was man daraus lernen kann und welche Instrumente auch auf die professionelle Unternehmenskommunikation übertragbar sind, diskutiert dort ein hochkarätiges Expertenteam.