Sollte man Frauen nur noch mit (pinken) Samthandschuhen anfassen?

Was #PinkyGloves über Diversität und Reputation verrät; Wer die aktuelle Folge der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ gesehen hat, könnte den Eindruck gewinnen, dass Menschen beim Menstruieren jeden Monat wieder mit einer Herausforderung zu kämpfen haben. Doch vor was genau möchten uns die beiden „Erfinder“ der Pinky Gloves eigentlich bewahren, dass sie so selbstlos den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und öffentlichkeitswirksam im TV nach Investoren/-innen suchen?

Autorin Anne Beutel

Während engagierte, wagemutige Frauen die Abschaffung des erhöhten Steuersatzes auf Periodenartikel erkämpfen, waren die zwei Herren in ihrer WG-Zeit offensichtlich so angewidert von dem Anblick von Menstruationsblut im Badezimmer-Mülleimer, dass sie ein Produkt „entwickelt“ haben, mit dem sich menstruierende Menschen beim Tamponwechsel nicht mehr berühren müssen.

Das benutzte Produkt wird dann in einen Einweg-Plastikhandschuh gewickelt (nur gendergerecht in pink!) und für den Rest der Welt unsichtbar (weil so unauffällig pink!) entsorgt. Wer soll schon erfahren, dass beim weiblichen Zyklus Blut im Spiel ist?

 

So sehr man sich über das gesellschaftlich rückschrittliche Bild, das Gendermarketing und die Umweltunfreundlichkeit des Produkts zurecht echauffieren kann, ist der Shitstorm, der sich jetzt über Vox, Die Höhle der Löwen, Pinky Gloves und Ralf Dümmel ergießt, auch ein weiteres Beispiel für mangelnde Diversität in der Gründerszene (4% der Gründer/-innen sind weiblich) und deutschen Redaktionen (zuletzt eindrucksvoll in der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ zu erkennen).

Man fragt sich die ganze Zeit, ob von der „Produktidee“ über die Auswahl des Unternehmens für die TV-Sendung, die Zusammensetzung der „Löwen“ bis hin zur finalen Ausstrahlung der Sendung nicht eine Person an verantwortlicher Stelle saß und mal die Hand gehoben hat: Wollen wir wirklich so ein Bild über die Periode zeichnen? Was entsteht für ein Eindruck, wenn drei Männer es für eine blendende Idee halten, Menschen ein Menstruationsprodukt zu verkaufen, das auch noch pink ist? So wollen wir die Investoren/innen-Szene portraitieren – viel Geld für unsinniges Gendermarketing, das auch noch der Umwelt schadet?

Es demonstriert eindrücklich, wie diverse Teams einen Beitrag zur Risikominimierung im Reputationsmanagement leisten. Denn der Image-Schaden betrifft nicht nur die öffentlichkeitswirksame Markteinführung des „Produkts“, sondern auch den TV-Sender und das Format sowie die Investoren/-innen, die an der Sendung beteiligt sind. Und auch der Handel muss sich jetzt unangenehme Fragen gefallen lassen, wenn sie so einem „Produkt“ wertvollen Shelf Space einräumen.

Das alles wäre vermutlich nicht passiert, wenn irgendwo im Prozess eine Kultur geherrscht hätte, in der nicht nur die angewiderte Perspektive auf die Periode von einigen Männern zählt, sondern andere Teammitglieder gleichberechtigt ihre Sicht und Einschätzung hätten einbringen können.