SEO & Gendern: Welchen Einfluss hat eine geschlechtergerechte Schreibweise auf die Google-Suche?

Spätestens seit der rechtlichen Verankerung des dritten Geschlechts (2018) ist die genderneutrale Schreibweise von Personenbezeichnungen keine Ausnahme mehr, sondern wird zunehmend zur Regel – besonders im digitalen Raum. Daher stellt sich die Frage, wie Google mit dieser Entwicklung umgeht.

Vernetzen Sie sich mit Dominik Schäfer auf LinkedIn

Warum und wie gendert man?

Mittlerweile gehört eine geschlechtergerechte Schreibweise auch bei Behörden, Universitäten und Unternehmen zum kommunikativen Standard – obwohl sie in der deutschen Rechtschreibung bisher keinen offiziellen Einzug gehalten hat. Durch das Gendern soll die Gleichbehandlung aller Geschlechter auch im schriftlichen Sprachgebrauch hervorgehoben werden.

Gängige Methoden für eine genderneutrale Schreibweise sind zum Beispiel das Gendersternchen (*innen), der Gender-Doppelpunkt (:innen), das Gender-Gap (_innen) oder die Verwendung geschlechtlich unbestimmter Personenbezeichnungen wie etwa substantivierte Adjektive oder Formulierungen, die keine Rückschlüsse auf das Geschlecht der angesprochenen Person gewähren.

Doch welche Auswirkungen hat eine genderneutrale Schreibweise auf die Suchmaschinenoptimierung?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir exemplarisch die Google-Ergebnisseiten von Suchanfragen betrachten, die sich nur in ihrer geschlechtlichen Personenbeschreibung unterscheiden.

Für dieses Experiment untersuchen wir exemplarisch folgende Suchanfragen:

1. „Journalist Frankfurt“, 2. „Journalistin Frankfurt“, 3. „Journalist/-in Frankfurt“, 4. „Journalistin Journalist Frankfurt“ (siehe Abbildung)

Das generische Maskulinum dominiert die Suchanfragen

Zunächst sollten wir aber das Suchverhalten der Nutzer betrachten: Nutzer formulieren ihre Google-Anfragen meist im generischen Maskulinum. Bei dieser Schreibweise werden maskuline Substantive genderneutral von den Nutzern interpretiert und angewandt. Diese weit verbreitete These konnten wir mit einem Tool für die Analyse von Keywords stützen: Das Google-Suchvolumen für die männliche Schreibweise „Journalist“ ist sechsmal so hoch wie das Suchvolumen der weiblichen Schreibweise „Journalistin“.

Interpretation des generischen Maskulinums durch Google

Betrachten wir nun also die erste Suchanfrage unseres Experiments, formuliert im generischen Maskulinum: „Journalist Frankfurt“

Bei dieser Suchanfrage erhalten wir Treffer mit männlichen oder genderneutral formulierten Personenbeschreibungen. Bei Letzteren scheint der männliche Vorbau der Schreibweise für das Erscheinen auf der Google-Ergebnisseite ausschlaggebend gewesen zu sein. Weibliche Schreibweisen werden bei dieser Suchanfrage hingegen nicht berücksichtigt, obwohl die Verwendung des generischen Maskulinums eine andere Intention verfolgt.

Google kann in diesem Fall das generische Maskulinum also nicht im Sinne des Nutzers interpretieren. Statt – wie vom Nutzer erwartet – beide Geschlechter in die Suche einzubeziehen, wird primär nach männlichen Personenbeschreibungen gesucht.

Die Suchanfrage „Journalistin Frankfurt“ hingegen erzeugt, abgesehen vom Plural, ausschließlich Treffer mit weiblichen Personenbeschreibungen. Treffer mit männlicher Personenbeschreibung werden dagegen nicht berücksichtigt.

Genderneutrale Suchanfragen exkludieren weibliche Personenbeschreibungen

Betrachten wir die genderneutrale Suchanfrage „Journalist/-in“, so fällt auf, dass wir ausschließlich maskuline oder in derselben Schreibweise gegenderte Treffer auf der Google-Ergebnisseite angezeigt bekommen. Weibliche Schreibweisen werden also wieder nicht berücksichtigt, obwohl die Suchintention alle Geschlechter inkludiert.

Google scheint sich bei der Anzeige der Ergebnisseite an der hermeneutischen Interpretation der Suchanfragen zu orientieren: Wenn nach einer Personenbezeichnung im generischen Maskulinum gesucht wird, so werden bevorzugt Webseiten angezeigt, die der Suchanfrage entsprechend maskulin formuliert sind.  Auf der anderen Seite werden bei Suchanfragen nach einer femininen Personenbezeichnung bevorzugt Webseiten angezeigt, die wiederum der Suchanfrage entsprechend feminin formuliert sind.

Für die Ausspielung von geschlechtsneutralen Suchergebnissen müsste ein Umdenken bei den Nutzern erfolgen: Sie müssten bei ihren Suchanfragen beide Formen ausschreiben, da auf diese Weise beide Geschlechter von Google berücksichtigt werden. (siehe Abbildung)

Fazit & Ausblick

Da die üblichen Gender-Schreibweisen von Google als maskuline Keywords interpretiert werden und gleichzeitig die Nutzer ihre Suchanfragen meist im generischen Maskulinum formulieren, gibt es wenige bis keine SEO-Komplikationen bei einer gendergerechten Schreibweise auf der eigenen Website.

Ferner hat das Experiment gezeigt, dass Frauen bei einer Google-Suche im generischen Maskulinum sowie bei den meisten genderneutralen Schreibweisen ungewollt exkludiert und damit von Google klar benachteiligt werden.

Wird eine geschlechtergerechte Schreibweise von Google honoriert oder ist sie ein Hemmnis?

Aktuell werden geschlechtergerechte Schreibweisen von Google nicht im Sinne des Verfassers berücksichtigt, geschweige denn honoriert.

Sollte die genderneutrale Schreibweise nicht in die offizielle Rechtschreibung übernommen werden und die Nutzer/-innen sich nicht vom generischen Maskulinum bei der Formulierung von Suchanfragen verabschieden, scheint der Verzicht auf eine genderneutrale Schreibweise aus SEO-Sicht von Vorteil.

Beim Gendern sollte es allerdings nicht um Suchmaschinenoptimierung gehen, sondern vielmehr um eine Haltung:

Steht man hinter der Gleichberechtigung der Geschlechter, so sollte man als Webseitenbetreiber weiterhin gendern, um diese Haltung auch in der Schriftsprache zu unterstreichen

 

Für businessrelevante Kommunikationsinhalte wie diesen, melden Sie sich doch zu unserem Newsletter „FleishmanHillard Quarterly“ an, folgen FleishmanHillard Germany auf LinkedIn,  lernen unser Team auf Instagram kennen oder besuchen unseren YouTube-Kanal.

  • Dominik Schäfer

    Dominik Schäfer arbeitet als Senior Digital Strategist im Digital Strategy & Agency Marketing Team bei FleishmanHillard Germany. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der digitalen Strategiekonzeption im B2B sowie B2C Bereich ergänzt er das Team am Standort Frankfurt. Sein Hintergrund...

    Profil ansehen