Misstrauen gegenüber Big Tech: Ein Reboot für „Made in Germany“?

Das Label „Made in Germany“ gilt spätestens seit den Wirtschaftswunderjahren als Synonym für hohe Qualität deutscher Produkte. Das gilt insbesondere für die Industrie, denn auf der ganzen Welt erfreuen sich deutsche Automobile, Fahrzeugteile und Maschinen großer Beliebtheit. Marken wie Mercedes-Benz oder Siemens haben Deutschland zum Exportweltmeister gemacht und die Wirtschaft wie eine Kulturkonstante auch in Krisenzeiten immer wieder beflügelt. Doch die Welt hat sich verändert und das Digitale ist zum Maß der Dinge geworden.

Autor Sebastian Kronenberg

Nicht umsonst heißt es „Daten sind die neue Währung“. Da wundert es nicht, dass die wertvollsten Marken der Welt im Jahr 2020 Amazon, Apple und Microsoft heißen (Quelle: Interbrandz) – „Big Tech“ gibt den Ton an.

Zu den Technologie-Riesen aus dem Silicon Valley haben sich im letzten Jahrzehnt auch immer mehr Unternehmen aus China gesellt. Deutschland und ganz Europa haben im Rennen um die digitale Vorreiterschaft vermeintlich den Kürzeren gezogen.

Doch langsam scheint sich das Blatt zu wenden.

Europäische Initiativen wie die DSGVO und Gaia-X oder das britische Project Defend senden Signale, die ein neues Zeitalter für die Tech-Branche einläuten könnten.

Deutsche wünschen sich ein Gefühl der Daten-Sicherheit bei Produkten

Der Ruf nach Produkten und Diensten, denen nicht die – zumindest gefühlte – Gefahr innewohnt, vom chinesischen Staat ausspioniert zu werden oder persönliche Daten in fremde Hände fernab des Verbraucherschutzes zu geben, wird immer lauter und erfasst nach und nach auch den Mittelstand.

Welche Technologie Unternehmen nutzen oder in Erwägung ziehen, hängt immer weniger davon ab, wie viel sie kosten. Stattdessen erhalten andere Fragen einen höheren Stellenwert. Sie lauten „Wer hat Zugriff auf meine Daten?“, „Wo lagern meine Daten?“ oder auch „Wer stellt eigentlich meine Hardware her?“

Genau diese Fragestellungen offenbaren großes Potenzial für Anbieter aus dem europäischen Markt, in dem Transparenz, Verbraucherrechte und Datenschutz immanenter Bestandteil von Firmenkultur und der Wahrnehmung von Technologie sind.

Rechenzentrum, Hardware-Manufaktur und Software-Programmierung in Europa zahlen sich nun aus. Während die Politik versucht, der außereuropäische Konkurrenz einen engeren rechtlichen Rahmen zu geben, entsteht Raum für die Profilierung hiesiger Anbieter.

Ob diese Initiativen von Erfolg gekrönt sind, ist dabei nicht zwingend maßgeblich, denn der Bedarf an lokalen Lösungen „made in Germany“ oder „made in EU“ ist geweckt worden und die Skepsis gegenüber außereuropäischen Anbietern wird durch die öffentlichen Diskurse um Werbeboykotts bei Facebook, Spionageverdacht bei TikTok oder Hackerangriffe bei Zoom-Konferenzen weiter wachsen.

Eine Chance für den europäischen Markt aufzuholen

Deshalb ist genau jetzt die Zeit gekommen, um aus dem Schatten von GAFA und Co. herauszutreten und den vermeintlichen Tech-Standortnachteil Deutschland zum wichtigen Asset in der Kommunikation zu machen. Nie war es zwingender für europäische Firmen als heute eine starke Haltung einzunehmen – gerade im Bezug auf Themen wie Datenschutz oder Nachhaltigkeit.

„Datenschutz und Datensouveränität erfahren in ganz Europa große Aufmerksamkeit und verändern, wie die großen Tech-Konzerne und ihre vermeintlichen Monopolstellungen von der Gesellschaft wahrgenommen werden.

PR-Verantwortliche sollten einen genauen Blick auf die neuen Fragen werfen, die dieser Trend in den Medien zu Tage fördert, denn zuvor als nebensächlich behandelte Informationen und Eigenschaften könnten genau die Botschaften sein, die ihnen jetzt Gehör verschaffen.“ – Enno Hennrichs, Vice President, Technology, Manufacturing & Industrials bei FleishmanHillard.

Wo stehen Sie bei dem Thema – legen Sie erhöhten Wert auf Datensicherheit und wenn ja, worauf achten Sie, um sie auch zu bekommen?