Es geht um Leben und Tod: Generationengerechtigkeit und die Gen-Z

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ tönte es bei den Klimaprotesten im letzten Jahr über Deutschlands Straßen. In den vergangenen 30 Jahren hat wahrscheinlich keine Bewegung so viel Aufmerksamkeit, Debatte und Einfluss erreicht wie die Klimaschutzbewegung.

Autoren: Matthias Krülls und Thies Clausen

Die Generation Z mischt sich so lebhaft in die Debatte ein wie schon lange keine Jugendgeneration mehr. Die Wahl Donald Trumps und der Brexit waren die unübersehbaren Zeichen stark divergierender politischer Haltungen der Generationen.

Die Empörung über die Generationenunwucht gipfelte in der in Sozialen Medien millionenfach geteilten Abfertigung einer ganzen Generation in nur zwei Worten: „Ok, Boomer!“

Entscheidungen, die aktuellen Verzicht für zukünftigen Nutzen bedeuten, die also Zukunftsfähigkeit sichern und Ausdruck von Generationengerechtigkeit sind, sind im kurzsichtigen demokratischen Prozess strukturell bedroht:

Die Jüngsten dürfen nicht wählen, zukünftige Generationen können es nicht. Das ist nicht neu, aber betraf lange abstrakte Themen wie Staatshaushalt, Rente und Investitionen in Bildung und Forschung.

Entscheidungen mit weitreichenden Folgen

 

In der Klimaschutzdebatte aber geht es in den Augen vieler nun aber um den Fortbestand er Lebensgrundlage, um Leben und Tod. In fast allen westlichen Staaten artikuliert die junge Generation diese Zuspitzung und trägt sie laut und mächtig in politische Prozesse hinein.

Einzuordnen ist dies in einen größeren Kontext des Wandels des Politischen. In Deutschland ist eine neue Generation herangewachsen, die mit den altbekannten Strukturen fremdelt.

Sie möchte mehr als nur Teil einer Jugendbewegung sein, sie möchte Einfluss auf konkrete Entscheidungen nehmen.

Aber an die Stelle der dauerhaften Bindung an die „intermediäre Akteure“, die jahrzehntelang unangefochten zwischen Bürger und Staat vermittelten – Parteien, Gewerkschaften, Kirchen – treten heute informelle Bindungen wie Initiativen, Kampagnen, Aktionsbündnisse.

Sie sind agil, sammeln sich kurzfristig und verstärken ihre Wirkung durch kluge und offensive Kommunikation in den sozialen Netzwerken.

Diese Entwicklungen haben tieferliegende Gründe als das Gefühl, das etablierte politische System würde die Interessen junger Bürger nicht ausreichend berücksichtigen.

Neuorientierung entlang bekannter Denkmuster?

 

Dennoch wird gegenwärtig eine klassische, systemimmanente Antwort ganz in der Logik des etablierten repräsentativen Systems diskutiert:

Die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Eine Analyse derer, die dafür bzw. dagegen sind, zeigt allerdings auch, dass es hier nicht nur um die Antwort auf eine legitimatorische Krise geht, sondern auch um die systemimmanente Verfolgung wahltaktischer Ziele.

Vor allem aber sollte diese Diskussion niemandem den Blick auf den grundlegenden Wandel politischer Erwartungen und Artikulation jüngerer Generation verstellen. Das etablierte, repräsentative System hat hierauf noch keine Antwort.

Doch auch die Unternehmenskommunikation muss sich auf diesen Wandel einstellen, konkret

  • in unternehmensstrategischem Interesse den neuen und rasanten Strukturwandel der Öffentlichkeit verstehen, um den Anforderungen wichtiger und neuer Stakeholder gerecht werden zu können;
  • ein Frühwarnsystem für reputative und regulatorische Risiken aufbauen, um nicht plötzlich von der Wucht des Wandels getroffen zu werden;
  • sich operativ auf immer mehr Kanälen einem offenen Dialog stellen, klare Haltung artikulieren und diese Haltung leben, um die License-to-operate nicht zu gefährden;
  • Kommunikation integriert denken: Da viele Menschen ihre Rolle als Bürger nicht mehr an intermediäre Akteure „outsourcen“, rücken Consumer und Bürger zusammen und damit zwangsläufig auch Brand, Coporate Communications und Public Affairs.

Wo stoßen Sie in Ihrer Kommunikation auf konkrete Erwartungen der nachwachsenden Generation und wie gehen Sie damit um?