Stereotype helfen uns nicht weiter

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Sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld stolpern wir immer wieder über Stereotype. Das fängt schon mit dem Baby-blauen Strampler für Jungs und der rosa Mütze für Mädchen an, zudem spielen Mädchen ja hauptsächlich mit Puppen und Jungs lieben Spielzeugautos. Aber stimmt das wirklich oder leiten uns hier festgefahrene Stereotypen?

Auch in der PR-Welt begegnen wir Stereotypen, besonders wenn es um die Geschlechterverteilung sowie die Ausbildung geht. Aber wer sich ihnen unterordnet, verschenkt viel Potenzial – besonders im beruflichen Alltag.

In einem Interview mit Anne Glier, Head of Talent Development, erfahren wir, warum Diversität ein so wichtiger Erfolgsfaktor für unsere Arbeit ist.

Anne, musst du dich im beruflichen Alltag mit vielen Stereotypen auseinandersetzen?

Ja, auch im Agenturalltag begegnen wir vielen Vorurteilen und Stereotypen. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Universitätsabschluss gilt für die meisten Jobs – auch in der PR – als Einstellungskriterium.  Aus meiner Sicht als HR-Verantwortliche kann ich allerdings sagen, dass man viele Talente auf dem Weg verliert, wenn man nur nach Bewerber/-innen mit einem abgeschlossenen Studium sucht.

Aber auch die Debatte um die Geschlechterverteilung in der PR-Branche nimmt nicht ab. Jedoch sollten wir aus meiner Sicht vorsichtig sein, in „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ zu clustern. Denn was bringt es uns, außer einer nicht enden wollenden Diskussion?

Stereotypen helfen uns nicht weiter! Es geht aus meiner Sicht vielmehr um Weitblick, unterschiedliche Denkansätze, verschiedene Herangehensweisen und Weltanschauungen. Das Geschlecht ist ein Merkmal, das einen Unterschied ausmachen kann – aber bei weitem nicht muss. Vielmehr formen uns unterschiedliche Ausbildungswege, das Alter und die Herkunft ebenso wie Familienstand, Erziehung und Einkommensverhältnisse.

Um nicht aus einer vermeintlich privilegierten Sicht zu urteilen, sondern menschliche Vielfalt als Potenzial wertzuschätzen und bewusst zu fördern, sollte man sich und sein Handeln immer wieder hinterfragen. Besonders hilfreich ist für mich dabei der offene Austausch mit unserem DE&I-Team. Dabei merke ich immer wieder, wie schnell man in Stereotype verfällt. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns selbst immer wieder aufs Neue challengen.

Warum ist Diversität wichtig für unsere Arbeit?

Das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gerne“ ist wahrscheinlich den meisten bekannt. Aber durch eine diverse Belegschaft schaffen wir es, auch mal über den Rand unserer Filterblase hinauszuschauen.

Wer in Stereotypen denkt, hat die Box geschlossen! Diversität ist eine Bereicherung für unsere Arbeit – nicht nur, weil unsere Kunden Diversität wünschen und brauchen, sondern weil sie auch verschiedene Perspektiven und Lösungen schafft.

Durch den Erfahrungsaustausch verschiedenster Persönlichkeiten können wir gemeinsam für unsere Kunden kreative Lösungsansätze entwickeln. Außerdem entsprechen ‚diverse‘ Ansichten eher unserer Gesellschaft – ein Erfolg kann nur darin resultieren, wenn wir abbilden, was auch unserer Gesellschaft entspricht).

Die Frage ist: Sind wir schon da, wo wir sein wollen? Nein. Diversität zu etablieren und zu leben ist ein stetiger Prozess, den HR und die Führungskräfte immer wieder überprüfen, hinterfragen und verbessern müssen, damit man sich nicht in irgendeiner Art und Weise festfährt.

Auch die internationale Diskussion über die Inhalte und Umsetzung von DE&I ist für uns als global agierende Agentur wichtig. In den USA ist das Thema beispielsweise anderes belegt und gewichtet als bei uns in Europa. Daher ist ein stetiger Austausch mit unseren internationalen Teams wichtig.

Wie kann Aufklärung gegen Stereotype helfen?

Wenn man über ein Thema oder einen Sachverhalt nicht Bescheid weiß, kann man auch nichts daran ändern. Daher ist der erste Schritt, Information zu teilen und die Diskussion zu fördern. Zudem sind Vorbilder und das (Er-)Leben von Diversität das beste Mittel, um zu verstehen, zu begeistern und zu fördern.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Gendern. Wir als Agentur müssten das nicht tun, dennoch haben wir uns dafür entschieden, es konsequent umzusetzen. Ich selbst bin davon überzeugt, dass Sprache etwas verändern kann und das Mindset nachhaltig beeinflusst. Ebenso ist es wichtig, auf Diversität und Vielfalt zu achten – angefangen beim Recruiting bis hin zur internen Teamzusammensetzung. Unserer Erfahrung nach ist das ein Garant für Erfolg.

Unser Job sollte es daher sein, den PR-Beruf bekannt und allen zugänglich zu machen. Wir sollten uns genau überlegen, wo wir uns publik machen und mit anderen in Diskussion treten. Wenn wir die Diversität in der PR fördern wollen, müssen wir allen Beteiligten genug Informationen geben, um sich eine Meinung bilden zu können.

Das könnten wir erreichen, indem wir neben Karrieremessen an den Universitäten beispielsweise auch Schulen oder Bildungszentren besuchen und dort den Schülern und Schülerinnen sowie den Lehrkörpern von unserer Arbeit erzählen – und davon, wie Wege in die PR konkret aussehen können. So können wir Vorurteilen, Unwissenheit und Stereotypen vorbeugen.

 

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  • Anne Glier

    Anne Glier verantwortet seit Juni 2019 den Bereich Talent Development für FleishmanHillard Germany. Ihren Schwerpunkt legt sie dabei auf das Recruiting neuer Talente, die Förderung der vorhandenen Mitarbeitenden sowie die Vernetzung innerhalb der Agentur. Vor ihrer Tätigkeit als Head of...

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  • Laura Klemm

    Laura Klemm ist Digital Consultant und seit 2018 bei FleishmanHillard Germany. In ihrer Zeit bei FleishmanHillard hat sie an zahlreichen Kundenprojekten aus den Bereichen Consumer Brands, Healthcare, Tech und Coporate Communications mitgewirkt. Zu ihrem Know-How gehören die Entwicklung von (digitalen)...

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