Bloggerrelations: Nichts für schnell mal nebenbei

Von Mailand bis New York sitzen bei Fashionshows einflussreiche Blogger bereits in der ersten Reihe. Auch für die Automobilindustrie ist es längst Routine, Blogger zu Pressereisen und Testfahrten einzuladen, die früher nur Fachredakteuren vorbehalten waren. Und auch bei Herstellern von Produkten für Babys und Kinder verhält es sich nicht anders: Bloggende Mütter erhalten heutzutage fast die komplette Grundausstattung gesponsert. Im Gegenzug  schreiben diese über ihre Erfahrungen und empfehlen die Produkte an ihre Leserinnen weiter.

Gute Beziehungen zu Bloggern sind vor allem im Bereich Konsumgüter hilfreich, denn das größte Vertrauen genießt die persönliche Empfehlung. Ob der Kauf eines Produktes sich lohnt, wissen nach Meinung der deutschen Konsumentinnen am ehesten Freunde und Familie (67%) oder unabhängige Produktbewerter (63%) („Women, Power & Money“, FleishmanHillard Studie 2013) zu denen auch Blogger zählen. Auch für den Tourismusbereich werden Bloggerrelations  immer wichtiger. Reiseblogger sind bereits bestens organisiert, miteinander vernetzt und Kooperationen mit Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien und Resorts gegenüber sehr aufgeschlossen – ein guter Ausgangspunkt für kreative Kooperationen.

Was in der Theorie klingt, als müssten Unternehmen nur ihren Presseverteiler um Blogger ergänzen, ist in der Praxis eine Herausforderung. Denn Bloggerrelations bedeutet nicht nur den einmaligen Versand von Produkten oder Einladungen zu Reisen oder Events an einen erweiterten Kreis. Sie erfordern eine strategische Vorgehensweise und eine nachhaltige Beziehungspflege zwischen PR-Beratern, Bloggern und Unternehmen.

Kontaktaufbau und Dialog waren auch wichtige Themen auf dem #meetmerano Reiseblogger-Workshop, initiiert von der Marketinggesellschaft Meran. Neben einem Rahmenprogramm am Nachmittag für die teilnehmenden Blogger fanden vormittags Workshops von den Berufsbloggern Mia Bühler (Uberding.net), Norman Roehlig (i-ref.de) und Jan-Peter Wulf (nomyblog.de) statt. Die Blogger gewährten neben Einblicken in ihren Arbeitsalltag und Tipps für Möglichkeiten sich zu professionalisieren auch Erkenntnisse zu Verdienstmöglichkeiten durch gesponserte Artikel, Banner und größere Projektkooperationen.

Kernthesen aus den Workshops und Diskussionen:

  • Blogger sollten sich nicht scheuen, bei Interesse auf Agenturen und Unternehmen proaktiv zuzugehen und dort kreative Ideen und Konzepte vorzustellen, statt zu warten, bis Agentur oder Unternehmen auf sie zukommen.
  • Eine Zusammenarbeit mit Unternehmen/Brands sollte im besten Fall langfristig ausgelegt sein, um nicht nach einmaliger Erwähnung wieder in der Versenkung zu verschwinden.
  • Ein offener, ehrlicher und fairer Dialog zwischen Agentur, Unternehmen und Blogger ist unbedingt wünschenswert.

Wie sich aber vor allem der erste Punkt im Tagesgeschäft bei Unternehmen und Agenturen umsetzen lässt, ist fraglich – beispielsweise aufgrund von Budget- und Strategieplanungen, die bereits im Vorjahr abgeschlossen wurden. Wenn ein Blogger auf eine Agentur mit einer Konzeptidee zur Zusammenarbeit zugeht, muss diese Idee in den meisten Fällen auch strategisch in die Zielsetzung passen und der Blogger sollte im Gegensatz auch Verständnis haben, wenn Unternehmen und Agentur die Kooperation auf einen späteren Zeitpunkt verschieben müssen.

Um Ideen von Bloggern frühzeitig in Strategie und Budget einzuplanen, ist der enge, regelmäßige Dialog zwischen Agentur und Blogger notwendig. Wobei die Erwartungen auf beiden Seiten offen formuliert werden sollten.

Etablierte Regeln für eine Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Agenturen und Unternehmen gibt es bisher nicht. Der partnerschaftliche und professionelle Kontakt, Transparenz und ein offener, kontinuierlicher Dialog sind aber Grundlage für jegliche Zusammenarbeit.