Strong, healthy and full of energy: Warum Berlins FashionTech-Konferenz für uns immer relevanter wird

Längst steht die Berliner Fashion Week nicht mehr nur im Zeichen von Stoffen, Kollektionen und Trends – spätestens seit 2015 auch im Zeichen von Daten, Bits und Bytes. So öffnete auch diesen Januar wieder die FashionTech Konferenz im Rahmen der Modemesse PREMIUM ihre Tore und brachte Global Player, Einkäufer, Start-ups, Influencer, Marketingexperten und Journalisten aus den Bereichen Textilindustrie und Technologie zusammen. Und wir waren mittendrin.

Vorgestellt und diskutiert wurden neben sämtlichen Themen rund um das Produzieren, Tragen, Einkaufen und Konsumieren von Mode im digitalen Zeitalter auch innovative Geschäftsmodelle, die damit einhergehen – vor allem im Bereich E-Commerce. Renommierte Unternehmen, wie die Deutsche Telekom, Zalando, Rebecca Minkoff und die Otto Group, zeigten anhand spannender Cases und Keynotes, wo der FashionTech-Hammer derzeit (und zukünftig) hängt.

Digitale Fashion-Retailkonzepte als Antwort auf Amazon

Ein Thema, das uns in vielen Keynotes begegnete, war die Digitalisierung von Mode-Retailern und des Shopping-Erlebnisses für Endverbraucher. Handel ist eben längst nicht mehr Handel – erst recht nicht in einer so emotional aufgeladenen Branche wie der Mode-Industrie.

Wie traditionelle Modehändler und -häuser den Sprung auf digitale Online-Shopsysteme schaffen, diskutierten Alexander Graf, Gründer und CEO von Spryker Systems und Matthias Schulte, Managing Director von Tradebyte in ihren Vorträgen. Graf prognostizierte, dass es in den kommenden Jahren ein Monopol im Mode-Einzelhandel geben wird und sprach dabei von dem „Amazon-Momentum“. Laut ihm wachse Amazon „jeden Tag um 200 Millionen Dollar. Relativ betrachtet stirbt jeden Tag so eine kleine Innenstadt in Deutschland.“ Kein Wunder, dass traditionellen Mode-Retailern da die Pumpe geht.

Ein spannendes Beispiel für die gezielte Verschmelzung zwischen Fashion-Erlebnis und intelligent eingesetzter Technik, die derartigem Wettbewerbsdruck entgegenwirken soll, fanden wir im neuen experimentellen Flagship-Store, den Geschäftsführer Markus Fuchsofen für den Modeversandhändler BonPrix im Rahmen der FashionTech vorstellte: ab Mitte Februar sollen Hamburger Bonprix-Kunden die Möglichkeit haben, unter dem Motto „Fashion Connect“ mittels eines innovativen Ladenkonzepts die Vorteile des stationären Handels mit den Vorzügen des Online-Shoppings zu erleben. Mit dabei: ein Trend-Floor mit Showroom-Charakter, smarte Fitting Rooms, die automatisch Kleidung in der gewünschten Größe nachliefern sowie bequemes Bezahlen vor Ort per App. Frei nach dem Motto „eingekauft wird im Netz, erlebt wird vor Ort“.

Auch traditionelle Online-Retailer wie Zalando versuchen mittlerweile E-Commerce und den stationären Handel miteinander zu verbinden, um holistisch zu agieren, möglichst viele Zielgruppen abzuholen und sich entsprechend zu inszenieren.

Kommunikation wird zunehmend datengetrieben

Doch nicht nur das Einkaufserlebnis befindet sich im digitalen Wandel, auch die Ansprache der Endverbraucher wird datengetriebener. So zeigte Collabary by Zalando in einem Workshop, wie sich in Form gezielten Influencer Marketings die passenden Multiplikatoren für die eigene Marke herausfiltern lassen – basierend auf einem Set an Daten. In kleinen Gruppen erarbeiten wir einen Sneaker-Launch mittels Influencer Marketings. Wer heute Mode verkaufen will, kommt an Reichweiten, Hashtags und Instagram-Pics nicht mehr vorbei – das spürt auch der Handel.

Auch Ana Andjelic, Chief Brand Officer bei Rebecca Minkoff, betonte, dass ihre Brand auf (Online)-Kooperationen setze, die darauf basieren, das Umfeld und die Haltung der Kunden genau zu verstehen. Der Schlüssel zum Erfolg seien auch hier sogenannte „insight-driven campaigns“, natürlich basierend auf Daten.

Konferenz spiegelt branchenweiten Umbruch wieder

Warum die Konferenz für uns mehr war als ein faszinierter Blick in die Zukunft? Die Themen, die hier diskutiert wurden, waren nicht nur PR-wirksame schillernde Projekte. Sie bilden den fundamentalen Umbruch und die Herausforderungen ab, vor denen vor allem – aber nicht nur – die Fashion-Industrie steht. Eine Branche, deren Selbstverständnis in weiten Teilen auf Exklusivität und dem Verkaufen einer emotionalen „Traumwelt“ beruht, wird mit der Demokratisierung der digitalen Welt konfrontiert.

Technologische Konzepte bieten auf einmal die Möglichkeit, den Konsumenten als Individuum in den Mittelpunkt zu rücken – sei es durch smarte Textilien, die auf den Träger „reagieren“, das Vorselektieren bestimmter angezeigter Brands basierend auf dem eigenen Kaufverhalten in Online-Shops oder Services wie virtuelle Ankleidezimmer, die auf Basis der eingegebenen Körpermaße für jedes Label die individuell geeignete Größenangabe ermitteln.

Ein derartiger Umbruch schreit auch nach neuen Kommunikationsansätzen. Gefragt ist beim Thema FashionTech nicht nur das emotionale „Promoten“ der ästhetischen Form, sondern auch das faktenbasierte Pushen eines (technischen) Features. Maßnahmen der traditionelle Mode-PR greifen da kaum. Kommunikationsstrategien sind darüber hinaus für viele Anbieter in der Branche mittlerweile zunehmend datengetrieben.

Tipp: Früh beginnen und zeitig loslassen

Wie Unternehmen mit einem derartigen Digitalisierungswandel umgehen können, empfahl abschließend der Chief Digital Officer der Otto Group, Sebastian Klauke. Er nannte auf der Konferenz drei wichtige Säulen, auf die Unternehmen bauen sollten, um in Zeiten der Verschmelzung von Mode und Technologie erfolgreich zu bestehen: Erstens: seid Early Starter, experimentiert. Zweitens: kalkuliert gut, da Digitalisierung stets ein Finanzpolster benötigt. Drittens: Lasst Euch helfen und überlasst das Aufsetzen, die Umsetzung und die Kontrolle von Transformationsprozessen denen, die davon etwas verstehen – im Idealfall sogar mehr als man selbst.

Foto: FashionTech Berlin


Sonia Mehrotra, Managing Supervisor bei FleishmanHillardSonia Mehrotra ist Managing Supervisor bei FleishmanHillard und arbeitet im Bereich Consumer Brands als Lead Fashion & Beauty | Lead Media Relations. Gemeinsam mit ihrem Team ist sie für unsere Kunden erfolgreich im Bereich Media Relations unterwegs. Ihre Leidenschaft: Fashion-, Beauty- und Lifestyle-Brands sowie deren Kampagnen sichtbar machen, etablieren und relaunchen. Durch ihre ausgezeichneten Kontakte zu relevanten Medienvertretern – Print wie Online – rückt sie Marken in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.

Hannah Roericht, Managing Supervisor bei FleishmanHillardHannah Roericht arbeitet seit 2018 als Managing Supervisor bei FleishmanHillard und ist dort als Lead für den Bereich Consumer Electronics tätig. Ob Smartphone-Hersteller, Online-Shopping-Portal, Wearable- oder Automobilhersteller: Hannah verfügt über jahrelange Erfahrung in der Marken-, Unternehmens- und Produktkommunikation im Bereich Unterhaltungselektronik und berät leidenschaftlich gerne Unternehmen, die mithilfe innovativer Technologien den Alltag ein bisschen angenehmer gestalten.