Global Solutions Summit: Post-Covid-Welt braucht einen grundlegenden Systemwechsel

Gipfeltreffen in Berlin: Am 27. Mai startete der Global Solutions Summit in der deutschen Hauptstadt. Das Ziel ist ambitioniert: Nicht weniger als eine Neuausrichtung der internationalen Zusammenarbeit steht auf dem Programm, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Technologie und Finanzen. Sie haben durch die Pandemie einen weiteren Dringlichkeits-Schub erhalten.

Autor Dr. Thies Clausen

Dementsprechend forderten die Teilnehmer – Spitzenpolitiker, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Wirtschaft – grundlegende Veränderungen in den genannten Handlungsfeldern. Da FleishmanHillard globaler Kommunikationspartner der Veranstaltung ist, waren auch Mette Grolleman, General Manager FleishmanHillard EU, bzw. sind an Tag 2 Stefanie Söhnchen, Vice President Digital Strategy, FleishmanHillard Germany, Dr. Sebastian Schwark, Senior Advisor, FleishmanHillard Germany sowie Nadine Dusberger, Senior Vice President & Partner, Head of Healthcare, FleishmanHillard Germany mit von der Partie – und das nicht nur als Zuschauer. So beteiligte sich Mette Grolleman am ersten Tag an der Paneldiskussion „Towards a Strong G20 for Effective Multilateral Cooperation“.

Mette Grolleman beim Global Solutions Summit 2021

Mette Grolleman (mitte) spricht auf dem Global Solutions Summit 2021

Der Tenor der Paneldiskussion: Gerade die G20 sind einer der wichtigsten Akteure für eine echte Transformation und können durch Normensetzung, Commitments und gesammeltes Wissen eine Führungskraft als entscheidender Treiber für den Wandel entwickeln.

Die Bereitschaft der Wirtschaft scheint durchaus gegeben: Im Vorfeld des Gipfels hatte FleishmanHillard eine internationale Umfrage initiiert, in der 74 Prozent der befragten Führungskräfte die positive Rolle der Unternehmen in puncto Problembewältigung betonen, sieben von zehn Befragten eine Zusammenarbeit mit der Politik befürworten und 89 Prozent den Umweltschutz als Priorität sehen.

Aufruf zum Wandel

Die Notwendigkeit des Gipfels wurde bereits bei der Eröffnung sehr deutlich: „Im Vorfeld des T20- und des darauffolgenden G20-Gipfels soll der diesjährige Global Solutions Summit ein Aufruf zum Wandel sein”, erklärte Dennis Snower, Präsident der Global Solutions Initiative. Dabei gehe es darum, „die Neuausrichtung auf einen wirtschaftlichen Wohlstand, der mit ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Solidarität und persönlicher Handlungsfähigkeit vereinbar ist, zielen zu lassen”.

Zwar habe die Covid-Krise zu einer bislang einmaligen wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Interaktion zwischen Wissenschaft und Politik geführt, so der Tenor eines Panels zur Pandemievorsorge, jedoch habe sie auch grundlegende Schwächen in der globalen Ordnung aufgedeckt.

Die Bundesminister Olaf Scholz und Svenja Schulze (beide SPD) sowie Jens Spahn (CDU), die am Summit teilnahmen, unterstrichen den Handlungsbedarf. Die Welt sei auf eine Gesundheitskrise dieses Ausmaßes nicht vorbereitet, die Stärkung der Gesundheitsvorsorge sei eine Investition in die Zukunft, sagte Gesundheitsminister Spahn, der im gleichen Zug den mangelnden politischen Willen beklagte, die Lehren aus der Krise umzusetzen.

Finanzminister Olaf Scholz betonte die Bedeutung der weltweiten Zusammenarbeit. Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem globalen Nord-Süd-Gefälle. „Der Blick auf die Situation des globalen Südens ist auch eine Frage, die für die wirtschaftliche Erholung der Welt wichtig ist, und deshalb denke ich, dass wir Solidarität brauchen, und das macht auch wirtschaftlich Sinn“, konstatierte Scholz und schloss die Forderung an, dass die ärmsten Länder Hilfe bei der Impfung bekommen sollten.

Erwartungsgemäß stellte Umweltministerin Schulze die Bedeutung der Natur in den Fokus: Die Pandemie habe sehr deutlich gemacht, wie sehr die Menschheit auf eine intakte Natur angewiesen sei. Unser aller Aufgabe sei es nun, das Leben mit Pandemie und Klimawandel widerstandsfähiger, gerechter und sicherer zu machen.

Wirtschaftliches Umdenken in Sicht?

Wird es zu einem wirtschaftlichen Umdenken kommen? Immerhin sah Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), im Kampf gegen die globale Erwärmung die Notwendigkeit einer neuen Konzeption von Wirtschaftsmodellen. Sie forderte ein grundlegendes Nachdenken über ökonomische Modelle und konstatierte klare Mängel bei den aktuellen Modellen zur Messung des Übergangsrisikos. Es dürfe keinen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen der Netto-Null-Forderung und dem Aktienkurs der Unternehmen geben.

Dazu gab es klare Worte von Robert McGarvey, Mitbegründer der Denkfabrik Rethinking Capital: „Wir haben eine Situation, in der es bestraft wird, das Richtige zu tun…und auf der anderen Seite wird es belohnt, nichts oder nur das Minimum zu tun”, beklagte er und unterstrich damit die Forderung der Diskussionsteilnehmer nach der Messung auch immaterieller Werte wie den Beitrag zum sozialen Wohlergehen und zur ökologischen Nachhaltigkeit bei der Rechnungslegung.

Internationale Organisationen in der Pflicht

Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission, hielt eine Grundsatzrede, in der er Veränderungen in der globalen Handelsordnung anmahnte – deshalb habe die Europäische Union Reformen für die Welthandelsorganisation vorgeschlagen. Die WTO sei zwar nach wie vor das richtige Gremium, um einen regelbasierten internationalen Handel zu gewährleisten, aber “es ist klar, dass wir ihre Effizienz verbessern müssen”.

Für den digitalen Bereich definierte Vera Jourová, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Werte und Transparenz, die pandemiebedingt geradezu schockartig fortschreitende Digitalisierung als maßgebliche Herausforderung für den Schutz von Werten und Menschenrechten im nächsten Jahrzehnt. Gerade Europa als Weltmarktführer in Sachen Regulierung des Datenschutzes müsse auf die digitalen Technologien mit sinnvollen Regeln reagieren. “Unser europäischer Weg besteht vor allem darin, zu garantieren, dass die Werte und Menschenrechte erhalten bleiben”, so Jourová wörtlich.

Der erste Tag dieser teils online, teils live stattfindenden Veranstaltung machte Mut, denn er zeigte unserer Meinung nach deutlich, dass ein „weiter so!“ von niemandem gewollt oder für möglich gehalten wird. Als aktive Teilnehmer des Summits freuen wir uns auf die Fortsetzung – hier sind wir tatsächlich genau dort, wo „die Musik spielt“ und wo im Idealfall ein umfassender Wandel initiiert oder doch zumindest entscheidend befeuert wird. Morgen werden wir selbstverständlich auch den zweiten Tag zusammenfassen und den Bericht an dieser Stelle publizieren.

Die Panels mit FleishmanHillard Beteiligung werden wir an Tag 2 (28. Mai) ab 15 Uhr hier live streamen.