Politische Kommunikation zu Corona: Was die Regierung aus den letzten 12 Monaten Krisenkommunikation lernen kann

Das Corona-Virus infiziert nicht nur die Gesundheit, sondern auch unsere Kommunikationskultur. Fakten, Meinung, Vorurteil, politische Überzeugung und Emotion verbinden sich zu einem zähen Brei an Corona-Dauerbeschallung, in dem eine Sondersendung die nächste jagt und es gefühlt jeder Talkshow zunehmend größere Mühen bereitet, dramatischere Headlines für das gefühlt immer Gleiche zu finden.

Autor Hanning Kempe

Die kommunikative Realität unserer freiheitlich demokratischen Ordnung in einem kommerziellen und digitalisierten Wettbewerb um die erfolgreichste Nachricht und Botschaft definiert und kompliziert das kommunikative Spielfeld der Regierenden zugleich.

Sie bewegen sich in einem Umfeld, in dem das kommentierende Publikum aus Politik, Medien oder Experten neben konstruktiver Sorge deutlich sichtbar getrieben ist von politischen, partikularen oder kommerziellen Interessen.

Im virtuellen Wettbewerb um Klicks ist die Impfkatastrophe momentan die heißeste Währung.

Diese Realität hämmert sich in der Krise mit starkem Unbehagen in unser aller Bewusstsein. Akzeptieren müssen wir es aber nicht. Nach 12 Monaten kommunikativem Krisenmodus sollten wir Adressaten laut und deutlich nach dem Verbesserungspotenzial bei der staatlichen Krisenkommunikation fragen.

Denn der kommunikative Kampf mit der Pandemie wirft Fragen auf.

Grundregeln der Krisenkommunikation konsequent durchziehen

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung hat Krisenkommunikation grundsätzlich keine eigenen Gesetze. Um erfolgreich zu sein, muss sie vielmehr klar, konsistent, verlässlich, transparent und konsequent an den Bedürfnissen der Zielgruppen ausgerichtet sein.

Daneben muss sie – und hier liegt sicherlich der Unterschied zu Normalzeiten – deutlich klarer strukturiert und priorisiert werden.

Folgt sie – wie bisher – lediglich unserer föderalen Struktur mit den unterschiedlichsten Zuständigkeiten von Bundesregierung, Ministerien, Landesregierungen, Landesministerien, Landkreisen, Städten, Kommunen, Gesundheitsbehörden, Expertengruppen, Forschungseinrichtungen usw., ist das kommunikative Chaos vorprogrammiert.

Was der Regierung fehlt, ist eine übergreifende Strategie, an deren Ende eine konsistente, kanaloptimierte Kommunikation an die unterschiedlichen Zielgruppen steht.

Es braucht nicht viel Fantasie sich vorzustellen, wie fundamental sich z.B. Kommunikation an die Bewohner eines Alten- oder Pflegeheimes von der an Schüler einer Abschlussklasse unterscheiden sollte und diese dann wieder von der an die Lehrer, Erzieher oder Eltern – sowohl inhaltlich als auch formal.

Föderalistische Strukturen können effektiver Krisenkommunikation entgegenstehen.

Fest steht: Die Corona Politik von Bund und Ländern hat es nicht leicht. Egal, welche Entscheidung verkündet, welche Regel getroffen wird: Die Kritiker stehen bereit und lassen an den Anstrengungen unserer Regierenden oftmals kein gutes Haar.

Unsere, vom politischen Streit um die beste Lösung geprägte freiheitlich-föderale Struktur mit unterschiedlichen Zuständig- und Verantwortlichkeiten sorgt praktisch qua Selbstverständnis auch für Verwirrung, Unklarheit und Desorientierung bei den Adressanten der Kommunikation.

Dies ist systemisch gewollt und daher erfreulicherweise nicht zu beherrschen – kommunikatives Krisenchaos als ein Preis der Freiheit sozusagen.

Nicht alles, was uns Pandemiegeplagten inzwischen routinemäßig präsentiert wird, scheint sinnstiftend, logisch, bis zum Ende durchdacht oder häufig genug klar verständlich.

Ob dies tatsächlich möglich ist, sei dahingestellt – angesichts einer globalen Pandemie, die täglich neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse und Unwägbarkeiten zu Tage fördert, auf die umgehende Reaktionen gefordert sind.

Die Akzeptanz einer Maßnahme hängt immer zuerst an der der Maßnahme innewohnenden Logik und Relevanz. Wenn aber – wie in Krisenzeiten – Zweifel, Unsicherheit und Angst dominierende Faktoren unserer Wahrnehmung werden, hängt der Erfolg auch ganz wesentlich an der Professionalität der Kommunikation.

Nach der Krise ist vor der Krise – Debriefing mit Experten nötig

Dazu bedarf es spätestens nach Corona einer offenen und transparenten Aufarbeitung der kommunikativen Fehler und Schwachstellen – sowohl inhaltlicher als auch struktureller Natur.

Zweifellos eine äußerst komplexe Herausforderung, eine Mammutaufgabe. Sie erfordert (Krisen)-Kommunikationsstrukturen jenseits der politischen Strukturen, zielgruppengerechte Content Strategien, SEO-optimierte Inhalte, die in Echtzeit aktualisiert und dialogisch präsentiert werden.

Eine Art nationales Krisenkommunikationsteam sozusagen mit angeschlossener Content-Plattform, überragendem Verständnis für Zielgruppen und deren Kommunikationsmuster sowie analytische Fähigkeiten, die es erlauben, Wirksamkeiten zu überprüfen und Inhalte zu optimieren.

Dies ist umso bedeutender, als in einer Krise Perzeption noch stärker als in normalen Zeiten zur Realität wird – durch digitale Blasen noch weiter verstärkt.

Glaubwürdige Krisenkommunikation von Seiten der Regierenden und Verantwortungsträger muss den Anspruch haben, in solch einem Umfeld zu performen und als Dialogpartner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.

Diese Herausforderung sollte ernsthaft, unter Einbeziehung externen Sachverstands ohne Tabus in Bezug auf verantwortliche Personen und bestehende Strukturen geführt wird. Die Glaubwürdigkeit politischen Handelns hängt ganz wesentlich an Kommunikation.

Sie ist keinesfalls so schlecht, wie an vielen Stellen suggeriert – braucht aber dringend eine konsequente Auseinandersetzung mit ihren offensichtlichen Schwachstellen. Nur so wird eine weitere Erosion vermieden und verlorenes Vertrauen zurückgewonnen.

 

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